Tierhaltung im Altenheim - Ines Liebig

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Tierhaltung im Altenheim

Vorträge

Grenzsituation im Altenheim – Tierhaltung im Altenheim

Eines Morgens rief mich ein Altenheim an und bat den Umgang mit Tieren unter hygienischen Aspekten zu untersuchen. Also machte ich mich direkt an die Arbeit. Bei meinem ersten Besuch sah ich, dass die Tiere teilweise zu therapeutischen Zwecken mit den Bewohnern spielten. Einige Senioren streichelten den Tieren durch das Fell. Szenen wie diese spielen sich in deutschen Pflegeeinrichtungen immer häufiger ab.

Vorteile der Tierhaltung
Eine zunehmende Zahl wissenschaftlicher Publikationen belegt den Nutzen der Heimtierhaltung in seelischer sowie körperlicher Hinsicht 1. Die „tierische“ Gelassenheit gegenüber Gebrechen, Alter, Geschlecht, Aussehen und Krankheiten sorgt unter anderem dafür, dass Bewohner eines Seniorenheims gesünder und aktiver sind als die Bewohner in einem Altenheim ohne Haustiere. Das kommt nicht nur den Pflegekräften zugute, die weniger Notfälle betreuen müssen, sondern senkt auch die Gesamtkosten des Seniorenheims. Für viele ältere Menschen ist das Haustier zum wichtigsten Bezugspartner geworden, insbesondere, wenn sie alleinstehend sind. Sie können somit Verantwortung übernehmen und fühlen sich gebraucht. Die „grauen Zellen“ sind ebenso wie Muskeln und Bewegungsapparat gefordert. Außerdem sinkt erwiesenermaßen allein durch die Anwesenheit der Haustiere im Seniorenheim der Blutdruck der Bewohner. Die Angst von ihrem Begleiter getrennt zu werden wird daher bei der Wahl des richtigen Seniorenheimes zum wichtigen Entscheidungskriterium. Der deutsche Tierschutzbund führt mittlerweile sogar Listen von Pflegeeinrichtungen, die die Mitnahme von Tieren grundsätzlich erlauben. Während staatliche und städtische Einrichtungen fast durchweg beim strikten „Nein“ bleiben, beginnt bei privaten Altenheimen ein Umdenken. Da sie einem besonders großen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind, haben die Betreiber sich für die Tierhaltung entschieden.

Rücksicht- und Anteilnahme ist gefordert
Es gilt einige Dinge zu beachten: Wer kümmert sich um das Tier? Wer übernimmt die Aufgaben, wenn der Tierhalter erkrankt ist? Ist das Tier nach dem Umzug ins Altenheim nur Privattier oder auch Stations- und echtes Haustier? In speziellen Fällen, beispielsweise Aquarien oder Reptilienhaltung muss geklärt werden, wer sich mit den Besonderheiten auskennt.
Je nach Fähigkeit und Kräften können sich die Heimbewohner um die Versorgung der Tiere kümmern statt die zusätzliche Arbeit den Pflegekräften anzulasten.
Klare Absprachen sollten unter Bewohnern, dem Personal, Haus- und Tierarzt getroffen werden. Ebenso wichtig ist es, darüber zu informieren, in welchem Gesundheitszustand sich die Tiere befinden, beispielsweise dass regelmäßig geimpft und entwurmt wurde oder eine Tierhafthaftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Da zahlreiche Heimbewohner über ein geschwächtes Immunsystem verfügen, müssen Parasiten konsequent bekämpft werden. Hunde und Katzen sollten stets Floh- oder Zeckenhalsbänder tragen. Da Vögel im Gegensatz zu Hunden, Katzen und Fischen ein höheres Infektionsrisiko mit sich bringen (etwa Salmonellose), sollte eine solche Haltung wohl überlegt sein. Hygienemaßnahmen beinhalten Händewaschen und Händedesinfektion nach dem Tierkontakt. Wenn die Tiere engen Kontakt zu Menschen haben oder sich auf dem Bett aufhalten, sollte eine wasserdichte Unterlage vorhanden sein. Selbstverständlich wird das Tier in den Hygieneplan der Einrichtung aufgenommen.

Robert-Koch-Institut befürwortet Integration von Tieren
Die meisten Heimleiter, die hinsichtlich der Tierhaltung in Senioreneinrichtungen Bedenken haben, begründen dies mit dem Versorgungsaufwand der Tiere, generellen hygienischen Bedenken sowie der Angst vor Allergien und Krankheiten bei alten Menschen. Diese Sorge entkräftete das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits 2003 in seiner Broschüre „Heimtierhaltung – Chancen und Risiken für die Gesundheit“.

Demnach bestünde beim Umgang mit Tieren zwar auch das Risiko von gesundheitlichen Gefährdungen durch Verletzungen oder Infektionen, diese könne man aber durch artgerechten Umgang mit den Tieren und der Beachtung von Hygieneregeln auf ein Minimum reduzieren. In einigen Bundesstaaten der USA und im Zwergstaat Monaco haben Bewohner mittlerweile sogar ein Recht darauf, ihre Tiere mit in das Pflegeheim zu bringen.
Gerade im Alter vermissen viele Menschen das Gefühl gebraucht zu werden. Was die hygienische Problematik anbetrifft, so ist diese gut durch Einbeziehung der Bewohner und dem gesamten Pflegepersonal umzusetzen. Durch die Erstellung von Plänen, Dokumentationen zur Reinigung der Käfige und regelmäßige Schulungen in Bezug auf die korrekte Händehygiene lassen sich Risikofaktoren hervorragend kontrollieren. Einer Tierhaltung zum Wohl der Bewohner eines Seniorenheims spricht daher nichts mehr entgegen.

Ines Liebig
Hygienefachkraft
Aseptio-Hygieneberatung und -management, Walkenried

Ines Liebig - Telefon: 05525 / 4391263
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